Vom Monte Verita über die Revolution in den Wandervogel

Die wichtigsten Personen der Münchner Räterepublik waren ab etwa 1906 in der Schweiz, auch zu Anarchisten- und Sozialisten-Kongressen,
und am Monte Verità, wo Kurt Eisner, Gustav Landauer, Erich Mühsam, die Gräfin Reventlow und der Psycho-Analytiker Otto Gross, aber auch Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke
die Auseinandersetzung mit Luft und Licht, freier Liebe und Gesundheit, Tanz und Veganismus, aber auch Kommune-Gedanken und Ideen zukünftiger Gesellschaft pflegten.

Der Wandervogel gründete sich als progressive Jugendbewegung ebenfalls um die Jahrhundertwende.

Er ermöglichte es erstmals auch Mädchen und Volksschülern, an gemeinsamen Wanderausflügen teilzunehmen.
Im Wandervogel versammelten sich Lebensreformer, Verfechter von Naturkost, Reformpädagogen, Demokraten, Anarchisten und Kommunisten, um die Schönheit der Welt zu erkunden und die Gesellschaft zu verbessern.
Der Einfluss des Monte Verita, die Wirkungen der „Kohlrabi-Apostel und Literaten“ auf die bairische Revolution und den weiteren Wandervogel wurde von den Teilnehmenden sehr unterschiedlich eingeschätzt,
auch das aktuelle Hintergrundwissen zu den theoretischen Anarchisten wurde kritisch nachgefragt.

Der Wandervogel endete vorläufig mit der Gleichschaltung 1934external image 9783455502442-de-300.jpg

Noch 1936 hatten die Geschwister Scholl eine Anzeige wegen bündischer Betätigung
1937 stand Hans Scholl dann in einem Verfahren wegen bündischer Betätigung und §175 sowie angeblicher Devisenvergehen bei einer "Nordlandfahrt" vor Gericht und wurde - wohl durch einen Wandervogel-freundlichen Richter - freigesprochen, Quellen in der Biografie Hans Scholl:

Barbara Ellermeier: Hans Scholl Biographie Hoffmann und Campe, Hamburg 2012






Weiterbestehen in kleinen Wandergruppen in verschiedenen Regionen, vorsichtiges Verschweigen bei den Überlebenden des "3.Reiches" über "lustige Musikanten" und deren Verschwinden in der "Schutzhaft".
In fast jeder Familie findet sich unklares Wissen über eine alte Mandoline, Gitarre und lustige Onkel und Tanten, die viele Lieder kannten ...

Parallel waren in den Kreisen der Arbeiter- und Parteijugend, der konfessionellen Jugendorganisationen und der Sportjugend die Ausflüge ins Blaue, auch mit dem Fahrrad, Naturwanderungen und Zeltlager zum Standard geworden, die Alpenvereins- und Wandervereine sowie die Pfadfinderschaft mit eher militärischer Formation aufgebaut worden.
"Ein Pfadfinder ist treu seinem Landesherrn, dem Kaiser, seinem Vaterlande, seinen Vorgesetzten, Lehrern und Brotherrn." Sie alle landeten in der Hitlerjugend und im BDM, Bund Deutscher Mädel, so weit sie nicht in Arbeitsdiensten und Reichswehr, SA und SS, NS-F rauenschaft oder in der Emigration ihre Zukunft suchten.

Anarchie und Lebensreform

mit den Ideen von Michail Bakunin und Karl Marx, Ferdinand Lassalle ...
war eine Kritik an den herrschenden Verhältnissen zwischen Adel und Banken, Militarismus und Kriegstreiberei:
Die Sektsteuer wurde eingeführt, die Flotte für den Kaiser aufzubauen, im Wettrüsten mit Großbritannien und Frankreich, im Wettlauf um Kolonien

Sozialismus

Die verfolgte Idee seit 1848 - Niederschlagung der Revolution und Reaktion: Polizeispitzel überall
Beginn der Europäischen Polizei-Zusammenarbeit zur Verfolgung der Anarchisten, Sozialisten und Sozialdemokraten

Lebens-Umstände:

Arm und Reich gehen durch die enormen Einnahmen der Rüstungs-Industrie und Kriegs-Spekulation auseinander:
Arbeiter-Verelendung, Schüsse auf Streikende, Verfolgung der Gewerkschaften, 14-Stunden-Arbeitstag, Kinderarbeit,
Gesinde-Haltung der Entrechtung, Knechte und Mägde zwischen Leib-Eigenschaft und Mißbrauch, Menschenrechte

Industrialisierung und Rauch der großen Städte

Arbeitsbedingungen zwischen Handwerks-Betrieben und beginnender Klein-Industrie,
erste Autos verbreiten Gestank, wie Dampfmaschinen
in Bergwerken, Kinderarbeit, Landwirtschaft ...

Schulsystem und Hochschule autoritär

mit wenigen Ausnahmen wie in der "Judenschule", die zum theologischen und Thora-Diskurs ausbildet

Psychotherapie und Boheme

Lebensformen als Künstler und Freischaffende, zusammentreffen in Cafes und Gaststätten, Salons

Gefängnis-Erfahrungen

Landauer, Eisner, Mühsam ... Majestätsbeleidigung, Umsturz ...

Der Berg der Wahrheit

Lebensreform:

Ärztliche Erkenntnisse der bürgerlichen Degeneration: Es fehlte an Licht und Luft in den Städten und Wohnungen
Arbeitende Kinder und bürgerliche Schüler waren nicht mehr für den Militärdienst tauglich,
Gesundheit in Luft und Licht / statt Ruß und das billigere "trocken-wohnen" der engen feuchten Wohnungen,
aber auch der vielen Neubauten, die mit dem erbeuteten Geld des erfolgreichen 1870er Krieges gebaut wurden

Gründer Monte Verita.jpg
  • Es entstand auf dem Berge der Wahrheit eine Erholungsstätte, ein internationaler Sammelpunkt von Schriftstellern, Künstlern, Reformern.
  • Hermann Hesse, v. d. Schulenburg, Joh. Nohl, v. Wrangel, selbst der „unsterbliche“ Gabriele d’Annunzio etc., sodann bildende Künstler, wie Hermann [Max!] Kruse, Maler Fidus, Bildhauer Langer, Maler Erich [Ernst!] Gräser, Ida Pfaffenbach etc. hielten sich längere Zeit dort auf. Aber auch andere Berühmtheiten, wie Kurt Eisner, Erich Mühsam etc. trafen sich dort. www.monteverita.net
  • https://monteverita.net/personen/ida-hofmann/
  • www.gusto-graeser.info/Sprache%20Italienisch/HoffmanIdaIT.html
Erich Mühsam Ernst Haeckel Frank Wedekind Franziska zu Reventlow Friedrich Dernburg Friedrich Nietzsche Giordano Bruno Gustaf Nagel Gusto Gräser Heidelbeere Henri Oedenkoven Ida Hofmann Johannes Schlaf Kapitalismus Karl Gräser Kohlrabiapostel Krieg

Gustav Landauer

  • Nach monatelangen Bespitzelungen, und nach einer Hausdurchsuchung im Oktober 1893 wurde Gustav Landauer verhaftet. Am 1.11.1893 wird er zu zwei Monaten Gefängnis, wegen „Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Staatsgewalt“, verurteilt. Dieses Strafmaß wurde am 22.12. wegen „Aufreizung“ um neun Monate erhöht. Im Gefängnis zu Sorau verbüßte Landauer die Gerichtstrafe, hier schrieb er einige Kapitel der Novelle „Anton Himmelheber“ Geschichte unserer Liebe“. Auch Notizen, die Spätsommer 1895 mit dem Titel „Aus dem Gefängniss - Tagebuch“, im sozialistischen Akademiker veröffentlicht ..., wurden geschrieben.

Im Gefängnis

  • "fand Gustav Landauer Abstand zur Arbeiterschaft. Nach der Entlassung ging Landauer nicht nach Berlin, sondern in die Schweiz. Dort hielt er sich bis zum 5.1.1895 auf. Das Erscheinen der Zeitschrift "Der Sozialist" - Organ der Revolutionäre" wurde Anfang 1895 eingestellt. In dieser letzten Ausgabe erschien der wichtige Aufsatz "Die Demagogen der Revolutionszeit". Der Versuch, in der Schweiz eine abgesicherte Existenz aufzubauen scheiterte, und so finden wir ihn wieder in Berlin."

Anarchisten-Kongress Zürich


Erich Mühsam und Otto Gross:

Freud-Schüler, Kokain und Freie Liebe, Syphilis und offene Beziehungen, Bisexualität,
Peter Kropotkin Isadora Duncan, Lenin und Trotzky

Wandervogel Berlin Hamburg Böhmen Österreich ...

nature boys in Amerika:

Migrierte und vor dem Kriegsdienst geflohene "Soldaten"


Das Versprechen des SüdensWie der Monte Verità Hoffnungen weckte und das Jahrhundert verführte:Eine Zeitreise nach Ascona - Von Thomas RietzschelAus der ©Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tiefdruckbeilage, 30.April 1999,
www.gss.ucsb.edu/projects/hesse/papers/verita.pdf

Viele Fotos:
www.fileane.com/deutsch/monte_verita_deutsch.htm

history | **Monte Verità** www.**monteverita**.org/en/29/history.aspx

external image 10390937260.jpgFranziska Gräfin zu Reventlow) (* 1871 in Husum; † 1918 in Locarno/Schweiz), eigentlich Fanny Liena Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow, deutsche Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin, berühmt als die „Schwabinger Gräfin" der Münchner Bohème.

Sie führte ein eigenständiges, wenn auch von dauernder finanzieller Not und von Krankheit und mehreren Fehlgeburten gekennzeichnetes Bohèmeleben in München (Schwabing).Ihren Unterhalt verdiente sie zum Teil mit literarischen Übersetzungen für den Albert Langen Verlag und mit kleineren schriftstellerischen Arbeiten für Zeitschriften und Tageszeitungen (etwa für Die Gesellschaft, Simplicissimus, Neue Deutsche Rundschau, Frankfurter Zeitung, Münchner Neueste Nachrichten).

Außerdem hatte sie nach etwas Schauspielunterricht 1898 ein kurzes Engagement am Theater am Gärtnerplatz (heutiges Staatstheater am Gärtnerplatz) und spielte vorübergehend im Akademisch-Dramatischen Verein des jungen Otto Falckenberg. Im übrigen schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs als Sekretärin, Aushilfsköchin, Versicherungsagentin, Messehostesse, Glasmalerin usw. durch.

Nicht wenige Einkünfte verdankte sie schließlich, wie in der Bohème üblich, der Schnorrerei und den "Spenden" ihrer männlichen Bekanntschaften. Sie pflegte Umgang mit Oskar A. H. Schmitz, Theodor Lessing, Friedrich Huch, Erich Mühsam, Oskar Panizza, Rainer Maria Rilke, Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und zahlreichen anderen Gestalten der 'Münchner Moderne'.

**Der Geldkomplex** ist auch in Kombinationen öfter erschienen