Ministerpräsident Kurt Eisner wollte den Schriftsteller Gustav Landauer,
seinen Freund und Vertrauten aus früheren Jahren, an seiner Seite haben,
als Volksbeauftragter für Volksaufklärung, wie die neue Funktion im Kultus-Ministerium benannt wurde, das bisher die kirchliche Schulaufsicht geregelt hatte:

Gustav Landauer hatte allerdings zuerst die schwere Spanische Grippe, die während der Revolutionstage im Land umging, und kam erst etwas später.

Landauer über Souchy begreifen?

Ein zukünftiges Projekt, Anfang folgt unten

Im Nationaltheater fand eine Revolutionsfeier statt,

über die Gustav Landauer seiner Tochter Gundula schrieb:

“Geliebtes Kind! … Über Eisners schöne Ansprache hast Du vielleicht einen Bericht gelesen. Er stand da wie eine Gestalt von Barlach: aus ganz Irdischem, wie Gefesseltem rang sich die Begeisterung und der Aufschwung los.

Er schloß sehr schön an die Trompetensignale aus der Leonoren-Ouvertüre an, die in das Dunkel der Verzweiflung hinein die Freiheit verkünden. Von dem Volk, das im Dunkeln wandelt und ein großes Licht sieht, sang auch die Arie von Händel.

Das Wundervollste war, wie am Schluß das ganze große Haus den Gesang der Völker mitsang.
Allmählich standen alle auf, und das Haus bebte, als wollte es sich nach oben öffnen.

Die feierliche Melodie des Niederländischen Dankgebetes liegt zugrunde, und was beim Lesen der Worte unrhythmisch klingt, kommt in der Musik ganz natürlich und hoheitsvoll heraus.”

http://universaar.uni-saarland.de/journals/index.php/tg_beihefte/article/view/612/652

Gustav Landauer entwarf auch eine Konzeption zur Neugestaltung derHochschulen.

Bei der Begräbnis-Feier nach Kurt Eisners Ermordung (+21.2.1919)

waren 100.000 Leute in München auf den Beinen,

Nach Gustav Landauers Rede,

in der er Kurt Eisner mit Jesus und dem als Ketzer verbrannten Jan Hus verglichen hatte, 128 beendete Faulhaber sein Schweigen, protestierte gegen gewaltsame Trauerbeflaggung, gewaltsames Trauergeläut und gegen die für ihn blasphemische Traueransprache. 129

Zu Beginn der Fastenzeit, im März 1919, gut zehn Tage nach den Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten Ministerpräsidenten Eisner, hätte der Erzbischof von München und Freising eine Predigt verlesen lassen können, die der besonderen Zeit der Buße und Einkehr hätte Rechnung tragen können.

Er hätte eine versöhnende Predigt an die Gläubigen richten können. Die Lage in und um München war hoch explosiv. Doch Faulhaber entschied sich in dieser angespannten Lage, seine zwei Tage vor Eisners Ermordung verfasste,
pointiert kirchenpolitische Ansprache, dennoch zu publizieren. Er wollte polarisieren und die Gläubigen mobilisieren, damit sie für die Kirche und den Glauben einträten, eine mögliche Verfolgung, die er an die Wand malte, nicht scheuend.

Faulhaber wertete als „heißeste Tagesfrage des öffentlichen Lebens“ jene Frage der von ihm befürchteten Trennung von Kirche und Staat, die Entchristlichung und Entkirchlichung

Aufzeichnung Faulhabers, 27.2.1919. EAM, NL Faulhaber, 10003.

Landauer zitierte das Jugendgedicht von Kurt Eisner „Martyrium“ und fügte dann an: „Er ist aber nicht entkräftet zu Boden gesunken. Er war einer wie Jesus, wie Huß – o sancta simplicitas – die von der Dummheit und dem Eigennutz hingerichtet wurden; er, der nun von der Kugel eines Meuchelmörders aus dem Hinterhalt umgebracht worden ist, war ein Streiter, ein Wachsender, ein Kraftvoller bis zuletzt [...]“. Freundliche Mitteilung von Dr. Ulrich Dittmann.
129
Aufzeichnung Faulhabers, 27.2.1919. EAM, NL Faulhaber, 10003.
Vgl. die herabwürdigende Bezeichnung „Trauerparade für Eisner“: Faulhaber an den bayerischen Episkopat, 28.10.1921, in: Volk, Akten Faulhabers I, S. 223. Vgl. auch Aufzeichnung Faulhabers, 26.2.1919. EAM, NL Faulhaber, 10003: „Wenn die Monarchie abgeschafft, warum wird Eisner doch wieder wie ein König begraben, während [Heinrich] Osel und die anderen einfach zugeschaufelt werden, ist das Demokratie?“
127
128 Faulhabers Krisendeutung
des öffentlichen Lebens. Von den „Engeln der Finsternis im Gewande der Lichtengel“ sollten sich die Gläubigen nicht irre machen lassen. Diese versprächen größere Freiheit für die Kirche, doch sie wollten die Throne und dann die Altäre stürzen.
„Noch alle Revolutionen sind mit lauten Worten für die Menschenrechte eingetreten, aber nicht mit gleichem Eifer für die Gottesrechte. Und doch ruht die Achtung vor den Menschenrechten am sichersten auf der Achtung vor den Gottesrechten.

Nur dann ist die Gerechtigkeit die tragfeste Grundlage des Staates, wenn sie auch für die Gottesrechte eintritt, nicht bloß für die Menschenrechte. [...]“. 130 Faulhaber trug also ungeachtet der Radikalisierung durch den politischen Mord des katholischen Adeligen Arco und ungeachtet der Zuspitzung der allgemeinen Lage den Kampf auch weiterhin auf die Kanzel, den originären Ort für versöhnende und befriedende Rede.

Den Mörder Kurt Eisners, Anton Graf Arco auf Valley, empfing Faulhaber nach dessen [kurzer] Gefängnishaft

Der Prozess war voll Hochachtung für den Mörder des Ministerpräsidenten geführt worden, zu Festungshaft musste allerdings verurteilt werden, weil ein Freispruch wohl größere Empörung ausgelöst hätte.

unten

Landauer über Souchy begreifen?

Augustin Souchy in wikipedia, Anarchist, Landauer-Schüler, Anarchosyndikalist und Antimilitarist, bezeichnete sich selbst eher als „Studenten der Revolution“, der neben der russischen Revolution, die deutsche, die spanische, die kubanische und die portugiesische Revolution erlebte, zum Teil mitgestaltete und beschrieb.
Als 19-Jähriger traf Augustin in Berlin Gustav Landauer und begann für dessen Sozialistischen Bund zu agitieren.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste der 22-jährige überzeugte Antimilitarist nach Österreich aus. Von dort wurde er als Anarchist abgeschoben, mit einem Schild um den Hals „Vorsicht Anarchist!“, das er später zum Titel seiner politischen Lebenserinnerungen umfunktionierte. Er reiste in das neutrale Schweden, bekam dort Passprobleme und wurde in Haft genommen. Es gelang ihm die Flucht und er reiste illegal über Dänemark und Norwegen in Schweden ein.
Bei all seinen Reisen erlernte Souchy autodidaktisch sofort die Sprache des jeweiligen Gastlandes, brachte sich in die anarchistische Bewegung ein und fühlte sich ab diesem Moment dem jeweiligen Land und seinen Menschen zugehörig.[1]
„Die Bolschewisten als Staatssozialisten haben uns gezeigt, daß sie den Sozialismus nicht bringen können.“[2]

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