Denn wie man sich bettet, so lernt man:


Von der Wandervogel-Bewegung …

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… zur befreienden Pädagogik

Hundert Jahre im Bewusstsein von Aufbruch und Selbstorganisation


Vor hundert Jahren?
burg-ludwigstein-archiv
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Da waren Kaiser und Könige, Adel und Leibeigenschaft, Dienstboten und Industrie-Arbeit, und das VATERland schlitterte in einen „schnellen“ Krieg gegen Frankreich, denn sie glaubten, im August und September 1914:

„Weihnachten sind wir wieder daheim!“

wie das 1870 / 71 gewesen war, als man „schnell die Franzosen ausplünderte“ und mit dem Geld die stolzen Stadtviertel der „Gründerzeit“ hochzog, die kleinen überfüllten Herbergen wegräumte, in allen großen Städten entstanden „Franzosenviertel“ wie in Haidhausen, wo ein hier unehelich geborenes Kind zum Kommunisten wurde: Hans Beimler, der aus dem KZ Dachau entkam und darüber schrieb.
Juni 2015 landete ich im Rahmen einer europäischen Fortbildung GROWL im Archiv der Wandervogel-Bewegung auf Schloß Ludwigstein, die mich, nach etlichen anderen Recherchen wie zu Hans Scholl, zu den folgenden Vignetten anregte.
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Das Geburtshaus von Hans Beimler, der als Kommunist aus Dachau fliehen konnte und darüber ein Buch schrieb

Aus grauer Städte Mauern … zieh’n wir durch Wald und Feld

Vor Ruhpolding
Vor Ruhpolding
Auch Heldenreisen sind Wandervogel-Spirit
Zur Jahrhundertwende um 1900 war eine kleine Bewegung angewachsen, die als Wandervogel zwar immer romantisch betrachtet, aber wenig in ihrer Wirkung vermittelt wurde.

Es gab damals traditionell immer schon „fahrendes Volk“, aber das war meist beruflich bedingt, als Händler und Handwerker, doch nun fuhren plötzlich die Jugendlichen los, trampten und wanderten, versuchten in den Sommermonaten das Leben in Wald und Feld, redeten von Demokratie und sangen andere Lieder, als sie in den Burschenschaften, den schlagenden Verbindungen der Studierenden neben Saufen bis zum Umfallen und Rauchen im Kreise der „Alten Herren“, die hier ihren Nachwuchs rekrutierten, üblich waren.
Nationales war ja erst im Wachsen, die vielen deutsch-sprachigen Länder waren noch nicht so lange im Kaiserreich vereint, monarchischer Schwulst prägte Gymnasien und Studium, wie Heinrich Mann sehr schön beschrieb: Der Untertan (wikipedia).

Industrialisierung und Arbeitsverdichtung & der Sinn des Lebens für die Freien

Neumünchen
Neumünchen
Schlucht mit klingenden Stolpersteinen

Die Städte waren voll Rauch und Gestank, denn weder Abwasser, Müllabfuhr, noch Abgas-Auflagen waren denen geregelt, die Neues schufen, den Fortschritt betrieben, (wie heute in China, wo das Bewusstsein für die Gesundheit der Menschen erst allmählich aus den Krankheiten durch den Smog wachsen muss). Es war noch nicht üblich, die Häuser, so weit sie nicht adeliger und kirchlicher oder monarchischer Besitz waren, ständig frisch zu streichen …

Knechtschaft war hautnah erlebbar: Dienstboten-Existenz wie Leibeigenschaft

Das bürgerliche Leben kannte die Literatur, die kleinen Leute hatten nicht die Gelegenheit und Zeit, zu schreiben, wie sie lebten, darum sind die Beschreibungen mager: August Kühn, Lena Christ … eigene Beiträge bitte unter Kommentare!
Dienstboten waren Köchin und Chauffeur (Fahrer), Kindermädchen und Sekretär, Wäscherin und Schneiderin waren als Zugeh-Kräfte auch Tagelöhner und auf der Stör, also Zeit-Gäste, und hatten froh zu sein, Aufträge zu bekommen.

Jüdische Haushalte hatten meist auch christliche Dienstboten, damit sie am „Schabbes“ die Arbeit verrichten konnten, die frommen Leuten verboten gewesen wären, von diesen stammten die Laut-Nachahmungen „Guten Rutsch“ zu Neujahr und „Massel gehabt“ aus dem Glückwunsch Masseltov!

Wie heute noch in den südamerikanischen Ländern, wo die Hausangestellten einfach „Maria“ genannt werden, um sie mühelos, auszutauschen, wenn sie von der „Herrschaft“ schwanger waren: Die Schande hatte immer die Frau, und am Besten, sie „ging ins Wasser“: Ertränkte sich und verdeckte die Schuld.
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Wasserversorgung war vor über hundert Jahren noch ein öffentlicher Treffpunkt, bevor die Wasserleitungen in die Häuser verlegt wurden, zuerst am Flur, dann in die Wohnungen.

Monarchie oder Sozialismus: Autoritäten von Gottes Gnaden

Die Arbeiterbewegung entstand im Spagat: Jüdische Intellektuelle hatten nicht die Einheit von Gott, Kaiser und Vaterland wie in den christlichen Pfarrern und Bischöfen über sich, die Kirchen hatten die Schulaufsicht und sicherten den Obrigkeitsstaat. Nicht so in der Judenschule: Dort wurde in den Gruppen auch der Disput gelehrt, mit der Thora die einzelnen Situationen zu diskutieren, und die jüdischen Familien und Gemeinden sorgten gemeinsam für die besten Schulabschlüsse ihrer Kinder, was zu einem enormen Ärzte-Anteil in Berlin geführt hatte: Bei nur 5% Bevölkerungsanteil bis zu 30% in diesen Studien. Bernd Bocian in: Fritz Perls in Berlin 1893-1933

Katholizismus und Protestanten hielten zu Gott und der von ihm verordneten Obrigkeit, die ihnen ihre Ämter und Einkommen gab, die Schulaufsicht garantierte und das Steuer-Einkommen.

Anarchie und Sozialismus hatten internationale Färbungen: die Hoffnungen der russischen Revolution, die Kämpfe der Fraktionen dort, Lenin und Kropotkin, Leo Trotzki, später die Kämpfe in Spanien gegen Franco und die katholischen Monarchisten,

Die nationalen und die militaristischen Bewegungen: Adel, Burschenschaften & christliche Elemente, autoritäts- gläubig

Das studentische Leben begann schon in den Oberstufen der Gymnasien: Die Pauker wurden freundlicher, beinahe kollegial, je nach Typus lud er schon zum Saufen ein, und in den Kommers-Runden gab es die männlichen Runden von Rauchen und Saufen bis unter den Tisch: Was sich keiner hätte leisten können, wurde von den alten Herren, den Unternehmern und Honoratioren ausgegeben. Bis in heutige Studentenverbindungen geht das weiter, und manche der Verbindungen locken mit billigen Zimmern in ihren ererbten Häusern, um jungen Zulauf zu rekrutieren, der sich in die Hierarchie einpassen mag: Füchse, die nicht nur die Schuhe putzen, um auch dabei sein zu dürfen …

Freies Denken, körperliche Bewegungen, jüdische Gruppen

Eine Gegenbewegung formiert sich aus den schlechten Erfahrungen: Alkoholfreiheit der Lagerfeuer-Runden und Nicht-Rauchen wurde so umstritten wie verehrende Homo-Erotik und Trennung von Frauen und Juden, die in den einzelnen Bünden immer wieder als Forderungen auftauchen.

Alle politischen Richtungen sind erst noch vertreten, aber die gesellschaftlichen Diskussionen finden hier ihre Spitzen der Auseinandersetzung, und so mancheR wechselt durch die Bünde, so weit das möglich ist: Männer und Gemischt, Frauen und Projektgründungen, Ernährungsbewusst und Vegan, … bis hin zum Monte Verita in der Schweiz und den Projekten der Lebens-Reformer, Reform-Pädagogen und Reformhäuser.

Arbeitsgemeinschaften als neue Lernform

Zwei Versionen der Schule gab es in jener Zeit: Militaristische Zucht oder dialogische „Judenschule“, die vor allem die Jungs auf den Umgang mit den Diskussionen der Thora vorbereitete.

Die Reformpädagogik arbeitete, vor allem in den Initiativen um **Adolf Reichwein,** mit den neuen Strukturen von Arbeitsgemeinschaften: Der Ehrgeiz lag darin, mit den anderen Teilnehmenden eine Arbeits- und Lernsituation zu schaffen, die Hand, Herz und Hirn und alle Sinne anspricht und dabei gemeinschftlich das Erforschte dokumentiert.

Reichwein war Zeit seines Lebens ein typischer Wandervogel geblieben, hatte eine Weltreise gemacht und Volkshochschule geleitet, aber auch reformpädagogisch mit Schülern gearbeitet und war im Kreisauer Kreis als Kultusminister einer Regierung nach Hitler vorgesehen. Das führte zu seiner Hinrichtung am 20. Oktober 1944. wikipedia

Stolperstein Adolf Reichwein
Stolperstein Adolf Reichwein
Stolperstein Reichwein wikimedia

In manchen Klassenzimmern ist seine „Zeitleiste“ auch heute noch zu sehen: Die Jahrhunderte „unserer Kultur“ in einer langen Reihe mit den wichtigsten Ereignissen und ausgeschnittenen Bildern von den Schülern selbst gestaltet: So prägen sich Daten und der Überblick ein;
und alle kennen aus dem Unterricht die Filme mit dem Abspann F-W-U, Reichwein hatte sich in der Reichs-Vorgänger-Institution für eine eigenständige Rolle des Films eingesetzt.

Dass das Wort „Arbeitslager“ einmal eine innovative positive Einrichtung war, ist nach den Nazi-Missbräuchen aller Ideen auch nicht leicht vorstellbar:
  • Hier kamen Studenten, Jungarbeiter und Jungbauern aus allen politischen Lagern zusammen, um gemeinsam eine Lösung der Wirtschaftsprobleme im Waldenburger Notstandsgebiet herbeizuführen.[2] „Arbeiterleistung und Arbeitereinkommen“, „Konsumgewohnheiten“ und „Verkehrsfrage in der Auswirkung auf die Preisbildung“ waren einige der behandelten Themen. wikipedia.org/…Löwenberger_Arbeitsgemeinschaft


Sieben Jahre später war Arbeitslager die Drohung des übergriffigen Staates im Reichsarbeitsdienst geworden, nicht mehr die Sammlung für fortschrittliche Ideen, und auch nicht mehr der Freiwilligen-Dienst FAD, der in den folgenden Jahren noch gemeinnützig gearbeitet hatte.
Die Arbeit von Reichwein wird aktuell gewürdigt:

Das Haus der Brandenburgisch-Preussischen Geschichte zeigt Eindrücke und Materialien zur Jugend- und Lebensreformbewegung vor gut 100 Jahren
Brandenburger Wandervogel Ausstellung in Potsdam bis 25.11.15

Arbeiterbewegung und Partei-Denken fraktioniert die Linke

In der Arbeiterbewegung lagen die Arbeiterchöre, Fahrradzirkel und Sportgruppen als politische Zirkel mit Diskussions- und Lese-Kreisen und mit familiären Pfingst-Ausflügen in der Tradition, die Sozialisten-Gesetze zu unterlaufen, die jede politische Betätigung unterdrücken sollten, aber die Streiks in der Rüstungsindustrie bereiteten die Revolution während des Krieges vor.

In der Revolution am 7. November 1918 in München sind viele Personen beteiligt, die nicht nur sozialistische Ideen kultiviert hatten, poetisch wie Erich Mühsam in Schwabinger Lokalen und im Englischen Garten als Kohlrabi-Apostel wie Dieffenbach und seine Jünger, mit Vorträgen wie Rudolf Steiner und Tanzvorführungen wie von Rudolf Laban und Mary Wiegman.

Nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch Freikorps und Reichs-SPD entsteht dort 1920 eine „Ordnungszelle Bayern“, die mit Unrechts-Justiz und Polizeistaat den Faschismus vorbereitet: Banken und reiche Familien sponsoren Hitler und seine Partei. In den Jugend-Bewegungen gibt es arisch inspirierte Gruppen, die eine Anpassung vorbereiten.
Von Freikorps-Leuten wurden in dieser Zeit der Saalschlachten und Polarisierungen auch schon erste Morde an bündischen Führern im Berliner Raum verübt, wie im Archiv der Jugendbewegung dokumentiert ist.

Machtübernahme und Feme-Morde

Die Gleichschaltung aller Jugendbünde und Verbände kam 1936 und das Verbot der Bündischen Jugend, ihrer Kothen und Kleidung wurde regelmäßig unterlaufen, vor allem von Gruppen, die von tusk und der dj1.11 , der deutschen jugend vom 1.11.1929 angeregt waren, und die manchmal, wie in Ulm und unter den Scholl-Jugendleitenden offiziell unter Hitlerjugend marschierten, aber abends ganz andere Lieder am Lagerfeuer sangen.
  • Seine Anziehungskraft für viele Wandervögel konnte der Nationalsozialismus auch dadurch entfalten, dass er viele Ausdrucks- und Lebensformen, Symbole und Rituale der Jugendbewegung aufgriff und für seine Zwecke missbrauchte. Dabei wurden äußere Symbole, Rituale, Begriffe und Werte oft in ihrer inneren Substanz verzerrt oder ins Gegenteil verkehrt. http://wandervogel.at/lib/exe/fetch.php?media=djwv:kefermarkter_erklaerung.pdf


Pamuzinda in der Kulturjurte
Pamuzinda in der Kulturjurte
Kulturjurte als neuer Bildungs-Wandervogel

Hans Scholl und Alexander Schmorell: „Verschwiegene“ Mediziner, die Freiheits-Aktionen planen & FlugBlätter verbreiten

  • Eine andere gängige Methode der Gestapo war es, die Jugendlichen zu Kommunisten abzustempeln und sie auf dieser Grundlage zu verfolgen. Als „Beweis“ dafür diente der in vielen Bünden der 1920er und frühen 30er Jahre verbreitete Russenkult. Vor allem die dj.1.11 mit ihren russischen Liedern und Balalaikas galt als „kulturbolschewistisch verseucht“, nicht zuletzt weil deren Führer Eberhard Koebel vorübergehend Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen war. So hetzte die Führerzeitschrift der HJ „Wille und Macht“ schon 1933: „Bündische Jugend ist heute Bolschewismus“.
  • Gelang es nicht, Jugendliche aus politischen Gründen zu verfolgen, wurde auch das Verbot der Homosexualität herangezogen – dies allerdings zumeist als reiner Vorwand mangels anderer Belastungsmöglichkeiten, wie 1941 in einem Lagebericht der HJ freimütig eingestanden wurde: „Bei der Bekämpfung der Bündischen Jugend aus politischen Gründen gelang mangels anderer gesetzlicher Grundlagen die Zerschlagung der Bünde fast immer auf dem Wege über ein Strafverfahren wegen Vergehens nach §175 StGB.“ [1] http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=5322&m=3447&open=5322


Hans Scholl hatte schon 1937 ein verfahren „bündischer betätigung“ und §175 und hatte sicher schon eine Akte, denn:
  • Die HJ-Fahne der Ulmer zierte auch ein Wimpel der dj1.11, den Hans dort angebracht hatte: Dieser wurde beim Reichsparteitag (1935) konfisziert. Nach: Jäger und Gejagte: Über den deutschen Widerstand im Dritten Reich und was aus Tätern und Ofern wurde; von Bernd Wohlgut

Gleichschaltung in HJ / BDM / Jugendherbergswerk

ludwigstein-Blick-auf-Hanstein
ludwigstein-Blick-auf-Hanstein
Die Burg Ludwigstein war nach dem 1. Weltkrieg ein Ort des Gedenkens geworden, denn die Erlebnisse von Front, Schützengraben und Gaskrieg und der Verlust vieler Kameraden sowie die Einsicht in die eigene Verführbarkeit für die nationale Idee wirkten nach.
Die Gruppen hatten sich in vielerlei Art spezialisiert, in den Breiten der Landschaften wie in den Themen der großen Städte: Jungs, Mädels, miteinander, getrennt, mit Juden, ohne, oder nur jüdisch, politisch oder mit Sport, Fotografie, vegan, tanzend, philosophisch, literarisch ….
1936 war damit endgültig Schluß:
Gleichschaltung hieß: Unter Kommandostrukturen der Reichsregierung, die Burg musste an das Jugendherbergswerk übergeben werden, das schon bestehende Archiv ging nach Berlin.

Arbeits- und Kriegsdienste

nsdap-uebernahme
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Die Führung hatte auch genug Aufgaben, die in der Bezeichnung ähnlich klangen, wie die Arbeitsgemeinschaften für Regionalentwicklung zum Beispiel, die in einzelnen Gegenden für Arbeitsplätze sorgen wollten:
Nun wurden militärisch organisierte Zwangsdienste die Voraussetzung für Ausbildungen und das Studium, legten Moore trocken und bereiteten Autobahnbau vor. Der Übergang in die Deutsche Arbeitsfront DAF und in Strukturen von Partei und Militär waren vorbereitet.

Verfolgung und Untergrund
Ohne Treffen und öffentliche Erkennbarkeit wie die Kluft kamen keine neuen Kontakte zustande, die bündische Betätigung war ja verboten und unter Verdacht, die Zeichen und Kommunikation verschwanden und wurden von Angst besetzt.

Robert Jungk in Berlin und in der Schweiz

Mit 9 Jahren schon landete er in einer jüdischen Gruppe und war jeden Sonntag morgen bei den „Fahrten ins Blaue“ dabei, wuchs in der Bewegung auf und nahm als Student der Humboldt-Uni die reisserischen Plakate des Stürmer zum Reichstagsbrand in der Hochschule ab und wurde dabei beobachtet und verhaftet.
Noch konnte er einen Anwalt anrufen, bestellte aber seinen SA-Freund zur Wache, der ihn in Uniform abholte: „Um den werden WIR uns kümmern!“ Er konnte als Wintersportler getarnt nach Österreich fahren und landete in der Schweiz, wo er als Jude unter einem antisemitischen Fremdenpolizei-Chef kaum als Reporter arbeiten konnte, obwohl seine Mutter dann in Paris für ihn eine Agentur führte.
Sie vor dem Vormarsch der Nazis dort in die Schweiz zu retten, gelang nur mühsam.
Sein Trauma wurde, dass sein niedergeschriebenes Wissen über die Juden-Ermordungen von den internationalen Zeitungen nicht gedruckt wurde, weil es durch die politischen Verflechtungen der Nazis als Juden-Propaganda abgetan wurde.

In Kriegsende und Zusammenbruch

war erst einmal das Überleben zu sichern, und die Versuche, aus den Kontakten weiteren Zusammenhalt zu finden, gab es nur innerhalb der einzelnen Gruppierungen, vor allem der politischen und religiösen Richtungen.
Von den anthroposophischen Strömungen blieb eine marxistisch orientierte Teesube auf Sylt aktiv, mit einem späten Ableger am Bodensee.

Die Nachkriegszeit:

Aufklärungsprogramme, Besatzungszonen und das Wesen der „Persilscheine“, sich gegenseitig die Anständigkeit und Unschuld zu bescheinigen,
Baden Powell und die Pfadfinder-Idee
waren zwar schon vor dem Krieg bekannt, bekamen aber als EINE der Möglichkeiten der demokratischen Erziehung der Jugend eine neue Bedeutung: Als allgemeine oder christliche Gruppen,
Jugend als Zeitraum bekam nach der ersten Aufbau-Phase eine neue Bedeutung, die internationale Bezüge herstellen konnte, und die Umerziehung als Programm verwirklichte. Jugendverbände bekamen die beschlagnahmten Häuser und Materialien der HJ-Verbände und bildeten auf regionaler Ebene die Jugendringe als Selbstorganisation.
Auch in den politischen und religiösen Gruppierungen gab es wieder Jung- und Frohschar, zuerst in DGB und Kirchen, später auch in manchen linken Parteien.

Weitere Kriege, die Reste der Sklaverei, der Kampf um Bürgerrechte

fachwerk-witzenhausen
fachwerk-witzenhausen
brachten die Fragen des Militarismus, der Leibeigenschaft, hierzulande erlebt als Knechte und Mägde, auf die Schlagzeilen der Zeitungen: Korea, Vietnam, Black Power: Die größte Siegermacht hatte ihre eigenen Fehler, daneben sichtbar wurden im Schweigen der Schnell-wieder-Etablierten die Nazi-Professoren in den Hochschulen, die Rattenlinien über den Vatikan nach Südamerika, die Struktur des Schweigens.

Pressewesen und Kalter Krieg,

die Lügen Adenauers zur Wiederbewaffnung im Parlament, das allmähliche Wissen um die Nazis in allen Ämtern brachte ein Schweigen über’s Land, das nur in kleinen Gruppen wie den religiösen gebrochen werden konnte:

Die Gruppe München um die Burg Feuerstein

Pax Christi und die Notstandsgesetze, Robert Jungk spricht in München, die Friedensbewegung entsteht als Zusammenarbeit vieler Gruppen, die politisch links und religiös motiviert sind.

Atomstaat und Alternativen, Whyl, Dreyeckland,

Die Atompolitik von oben verschäft die Bürgerproteste, die Methoden der Gewaltfreien Aktion kommen mit TrainerInnen aus den USA, in Gorleben entsteht die Freie Republik Wendland als Symbol und wird in einem Polizeikrieg zerstört.
Die geplante Pershing-Stationierung bringt eine nächste Erweiterung, ohne Bürgerbeteiligung geplante Großflughäfen, Autobahntrassen ohne Naturschutz-Rücksichten ärgern und verstören auch vermeintlich brave Bürger,
die Bewegung und Partei der Grünen
und die großen Koalitionen bringen eine neue Auseinandersetzung, der sich die SPD mit den Naturschutz-Verbänden nicht gestellt hatte.

Erfahrungen der Jugendbewegungen werden wieder lebendig

Robert Jungk schreib über die Zukunftswerkstatt, verband Kritik und Utopie zu einer Strategie-Entwicklung, ich erlebte ihn ca 1980 in Wien auf den Praterwiesen bei einem großen Friedensfest, ein breiter Atomentscheid hatte Österreich verändert:
Dafür bekam das neutrale Österreich andere Probleme: Die Rüstungsexporte mit Panzern für südamerikanische Diktatoren hießen gewerkschaftlich „Arbeitsplätze“, in Graz sollten nach Austauschgeschäften gebrauchte schwedische Abfangjäger stationiert werden,die für die Ostsee, aber nicht für’s Gebirge taugten;

Mit Rolf Schwendter übten wir gemeinschaftliche Forschung

im Theorie-Arbeits-Kreis Alternative Ökonomie, in der AG SPAK, die Krüppelbewegung war die selbstorganisation der Behinderten, die Drogen- Knast- und Psychiatrie-Gruppen arbeiten wie die Obdachlosen-und Hilfe auf , befreiende Pädagogik,

Kirchliche Akademien, Frieden und Ökologie

sorgten wie in Bad Boll und Hohenwarth, St. Veit bei Salzburg, mit den Beteiligten für den Austausch der Zukunftswerkstatt-Moderierenden in jährlichen Tagungen. www.zwnetz.de

In der Begegnung der Kirchen und der Ökologie, den Energie-Fragen, mischten sich mit der Befreiungspädagigik Paulo Freire und den Methoden von Augusto Boal und dem Theater der Unterdrückten, dem Forumtheater.

Der Kontakt mit den Befreiungsbewegungen in Südamerika, der Auseinandersetzung in Theologie um den bewaffneten Kampf, der Stadtguerilla Tupamaro, befeuerte auch die Bewegungen der Studierenden und der undogmatischen Linken, solidarische Aktionen für Waffenkauf oder Boykott für Südfrüchte aus Südafrika bis in Hausfrauenkreise*.

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* Hausfrau war ein Nazi-Konzept der „Frau am Herd“, die vom Mann versorgt wurde und mit 4 Kindern den arischen Nachwuchs heranzüchtete.

Der Trikont-Verlag brachte die Themen der „3. Welt“- Solidaritäts-Arbeit, die Informationen der Frauen- und Schwulenbewegungen in verschiedenen Länder-Geschwindigkeiten, die sich dann oft durch internationale Zeitschriften austauschten.

Die kirchlich orientierte Rüstungsexportkampagne unterstützte mit Informationen zu den Waffensystemen die Kritik an der Nato, die in der Linken wuchs.

Kirchliche Landjugend erweiterte die Bildungsarbeit mit den Informationen zu Acker-Mikroben-Sterben und Bioanbau, zu Solidaritätsaktionen mit dem Senegal, und Nicaragua-Brigaden bauten dort Schulen auf, entwickelten Freundschaften und Absatz-Genossenschaften im Fairen Handel.

Neue soziale Bewegungen

zu Themen wie Aids, Arbeitslosenbewegung, Geschichtswerkstätten, Hartz4, Selbsthilfe, Netzwerk, Selbstorganisation, Graswurzel-Revolution, Zeitschrift Contraste, Selbstverwaltung,
entstehen auf den Grundlagen der Gruppen-Ausbildungen in den kirchlichen und linken Verbänden: Wie entsteht und wirkt eine Gruppe, was sind die Abläufe der Gruppendynamik, wie geht demokratische oder gemeinschaftliche Führung,

Soziale Berufe und Projektentwicklung, Jugendbeteiligung, Kinderrechte, entwickeln sich weiter

Wird noch fortgesetzt …
Führung und Dönitz als Kontrapunkt: Wer nicht lernfähig war … berief sich auf die Führung.